Die Nacht der Schwarzen Viper
Nach dem glorreichen Sieg am Fluss Radagan, wo Freddy Freudenreich und seine Gefährten die Ork-Armee des finsteren Dämonenfürsten Sathmoth zerschlugen, hallte ihr Name in ganz Valanor wider. Die Helden wurden in der Hauptstadt mit Blumen, Musik und Jubel empfangen. Die Stadttore öffneten sich weit, und die Menschen warfen goldene Blütenblätter auf die staubigen Stiefel der Heimkehrenden.
Das Gasthaus „Zum Goldenen Greif“, ein Haus, das Legenden beherbergte, öffnete ihnen seine prunkvollen Türen. Schon Könige hatten dort übernachtet, und auf den polierten Eichenbalken der Halle hingen Banner von längst vergangenen Helden. Hier ließen sich die Gefährten nieder, um den Sieg zu feiern.
Ein Festmahl wurde aufgetragen: duftender Lammbraten, Früchte aus fernen Ländern und würziger Honigwein. Milo, der Koch und Händler zugleich, begeisterte die Küchenmeister mit exotischen Rezepten aus dem Süden und verkaufte seine seltenen Gewürze zu einem Preis, der selbst reiche Händler sprachlos machte. Freddy, der legendäre Erpel-Barde, griff zu seiner goldenen Laute und sang Lieder von Ruhm und Freundschaft. Alfina, die Magierin, lauschte mit einem Lächeln, während der Einsame Wanderer – zum ersten Mal seit Wochen – Frieden in der Sicherheit der Stadtmauern fand.
Doch in den Schatten regte sich neues Unheil. Sathmoth, der Dämonenfürst, hatte nicht vergessen, dass die Helden im Besitz des Drachenartefakts waren – ein Relikt uralter Macht. Noch in derselben Nacht entsandte er den Kult der Schwarzen Viper, 99 lautlose Assassinen, die durch Blutmagie an ihn gebunden waren.
Der gefürchtete Oberassassine Agamemnox, ein Mann mit Augen so kalt wie schwarzes Glas, führte drei seiner besten Schergen in die Stadt. Einer von ihnen war ein Wolfsmensch mit Krallen so scharf wie Dolche. Verkleidet als wohlhabende Händler mieteten sie noch in derselben Nacht Zimmer im „Goldenen Greif“.
Am Morgen traten Freddy und seine Gefährten zum Frühstück an. Der Duft von frischem Brot, Kaffee und gebratenem Speck lag in der Luft. Doch Freddy fühlte es sofort – etwas stimmte nicht.
Er beobachtete den angeblichen Händler, der seinen Kaffee mit Büffelmilch trank. Büffelmilch? Das war eine Eigenart aus dem Süden von Jujukan – dort, wo der Kult der Schwarzen Viper seine Wurzeln hatte.
Da heckte Freddy einen Plan aus. Mit lauter Stimme sprach Freddy zu seinen Gefährten: „Milo, Einsamer Wanderer – lasst die Stallburschen unsere Pferde satteln. Alfina und ich holen derweil das Drachenartefakt. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“
Doch anstatt zu den Stallungen zu gehen, schlichen Milo und der Einsame Wanderer die Bedienstetentreppe hinauf, immer darauf bedacht, keinen Laut zu machen. Mit listigen Worten entlockte Milo einer Hausmagd die Zimmernummer der Fremden. Er kniete sich vor das Schloss, und binnen Sekunden klickte der Mechanismus – die Tür sprang leise auf.
Das Zimmer war wie leergefegt, doch der Einsame Wanderer entdeckte unter einer losen Bodendiele vier schwarze Roben mit dem Emblem der Viper. Ein kalter Schauer lief ihnen über den Rücken.
Mit einem Ruf, der dem Schrei eines Wanderfalken glich, warnte der Einsame Wanderer Freddy. Der Barde verstand sofort: Die Gefahr war real.
Als Freddy und Alfina die Treppe hinaufgingen, um den Gegnern eine Falle zu stellen, folgten ihnen Agamemnox und seine Schergen. Doch oben warteten bereits Milo und der Einsame Wanderer in einer perfekt gewählten Position.
„Jetzt!“ rief Freddy.
Blitzschnell zog er sein Jagdmesser und warf es – die Klinge traf Agamemnox’ Arm, der einen Schrei ausstieß. Milo ließ einen Schleuderstein sausen, der den zweiten Assassinen bewusstlos niederstreckte. Alfina formte ein Schutzschild aus glühendem Licht, das die Gruppe vor den vergifteten Dolchen des Wolfsmenschen rettete.
Der Einsame Wanderer trat vor, sein Schwert blitzte. „Gebt auf, oder ihr lernt die Klinge kennen, die schon Dutzende eurer Brüder gefällt hat.“
Agamemnox, schwer atmend, spielte seinen letzten Trumpf aus: „Verschont mich. Ich weiß Dinge, die euch helfen können – über die wahren Pläne von Sathmoth.“
Doch bevor er mehr sagen konnte, riss ein grelle Blitzschlag die Luft auseinander. Sathmoth selbst erschien als Schatten aus Rauch und Feuer. Aus purer Wut über den vermeintlichen Verrat zerschmetterte er Agamemnox und zwei seiner Schergen in einem infernalischen Feuerstoß.
Nur einer entkam – der schnellste der Assassinen, der im Chaos aus dem Gasthaus floh, ein Pferd stahl und in Richtung Stadttor ritt.
Die Helden nahmen sofort die Verfolgung auf. Doch der Einsame Wanderer dachte anders: Er stieg aus einem Fenster, kletterte die Mauern des Gasthauses hinauf und sprintete über die Dächer. Dort nahm er den Assassinen ins Visier.
Der Pfeil schnitt durch die Luft wie ein Raubvogel. Aus über 300 Metern traf er den Reiter, der wie eine Puppe vom Pferd fiel.
Die restlichen 95 Assassinen, die vor den Toren warteten, mussten feststellen, dass niemand das Stadttor von innen öffnete. Sie versuchten, die Wachen zu stürmen, doch im hellen Licht des Tages waren sie den Soldaten von Hauptmann Hardy hoffnungslos unterlegen.
Noch einmal triumphierten Freddy, Milo, Alfina und der Einsame Wanderer – die Helden von Valanor.