Königreich der Toten
Von allen Liedern der ersten Balladensammlung ist dieses vielleicht das düsterste.
Wenn Menschen den Titel hören, erwarten sie oft eine Geschichte über Untote, Skelette und vergessene Gräber. Und natürlich gibt es all das. Es gibt verfluchte Hallen, geisterhafte Feen und einen König, der über ein Reich aus Knochen herrscht.
Doch als ich dieses Lied schrieb, dachte ich nicht an die Toten.
Ich dachte an die Gefangenen.
An jene Männer und Frauen, die tief unter der Erde ihr Leben verloren hatten, ohne jemals gestorben zu sein. An Menschen, die jeden Morgen erwachten und glaubten, niemals wieder das Sonnenlicht zu sehen.
Und ich dachte an den König.
Denn manchmal sind die schlimmsten Flüche nicht jene, die uns töten. Manchmal sind es jene, die uns daran hindern zu sterben.
Als wir ihm schließlich gegenüberstanden, erwartete ich Hass. Zorn. Verzweiflung.
Stattdessen sah ich Erleichterung.
Nach Jahrhunderten der Dunkelheit wusste er, dass seine Zeit gekommen war. Und für einen kurzen Augenblick erschien er mir nicht wie ein Monster, sondern wie ein Gefangener, der endlich seinen Kerker verlassen durfte.
Natürlich erzählt dieses Lied auch von Milo. Und wenn ihr ihn kennt, wisst ihr, dass keine Geschichte lange ernst bleiben kann, sobald ein Hobbit drei magische Tränke für edlen Schnaps hält. Noch heute muss ich lachen, wenn ich daran denke, wie er mit einem Drachenstahlhammer durch eine Armee von Skeletten pflügte.
Doch hinter aller Freude, hinter jedem Sieg und jedem Refrain, erinnert mich dieses Lied an etwas anderes:
Kein Reich der Dunkelheit währt ewig.
Und selbst die längste Nacht endet irgendwann.
[STROPHE 1]
Tief in den Sümpfen, von Nebel umhüllt, wo Schatten tanzen, von Wispern erfüllt, zog eine Schar durch Moor und Stein, auf der Suche nach Glanz und Schein.
[STROPHE 2]
In der Kammer, in Gräbern aus Stein, lag eine Fee, von Licht so rein. Doch ihr Lied war sanft und voller Schmerz, und stahl den Sterblichen Seele und Herz.
[REFRAIN]
Freddy, der Kühne, mit Laute in der Hand, Milo, der Kleine, doch mutig bekannt, Alfina, die Weise, mit Flammengewalt, und der Wanderer, so schweigsam und kalt.
[STROPHE 3]
Freddy erkannte den trügerischen Klang, griff nach der Fackel, warf sie entlang. Die Flammen brachen ihren Zauberbann, doch aus den Gräbern brach neues Grauen heran.
[STROPHE 4]
Es bebte der Boden, die Finsternis lacht, der König der Toten erwachte zur Macht! Hundert Krieger, aus Knochen gemacht, gegen die Helden in finsterer Schlacht!
[REFRAIN]
Freddy, der Kühne, mit Laute in der Hand, Milo, der Kleine, doch mutig bekannt, Alfina, die Weise, mit Flammengewalt, und der Wanderer, so schweigsam und kalt.
[ÜBERGANG]
In Gold und in Edelstein, tief sie wühlten, bis Alfina den Drachenstahl fühlte. Ein Hammer aus Erz, von Flammen umhüllt, doch keiner, der wusste, wie man ihn führt.
[STROPHE 5]
Ein Tropfen der Riesen, drei Tränke voll Macht, Milo trank schnell – und wurde zur Kraft! Er hob den Hammer, er brüllte laut, die Tore zersprangen, es donnerte laut!
[STROPHE 6]
Wie Sturm und wie Donner, wie Flammen so heiß, walzte Milo durch Reihen aus Knochen und Eis. Der König, der wusste, sein Ende war nah, und so fiel sein Lächeln – sein letzter Tag.
[REFRAIN]
Freddy, der Kühne, mit Laute in der Hand, Milo, der Kleine, doch mutig bekannt, Alfina, die Weise, mit Flammengewalt, und der Wanderer, so schweigsam und kalt.
[AUSKLANG]
So singt man Lieder von Taten der Zeit, von Freddy, von Milo, von Schatten und Leid. Vom Wanderer still, von Alfina klug, vom König, der fiel, als der Hammer schlug.