Die Weisse Schlange
Von allen Liedern über unsere Reisen ist dieses vielleicht das düsterste. Nicht wegen der Schlacht. Nicht wegen des Monsters. Sondern wegen der Stille.
Als wir damals in die versunkenen Minen unter Bothilds Hallen hinabstiegen, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass die Berge selbst uns beobachteten. Je tiefer wir kamen, desto ferner schien die Welt der Sonne zu werden. Es gab nur noch Stein, schwarze Wasser und die Erinnerungen eines längst vergangenen Königreichs. Selbst ich wurde dort unten ungewöhnlich schweigsam – und das kommt bekanntlich nicht oft vor.
Viele Zuhörer glauben, dieses Lied handle von der Weißen Schlange. Und natürlich ist sie ein wichtiger Teil der Geschichte. Sie war ein Schrecken aus einer anderen Zeit, ein Monster, das selbst eine Zwergenkönigin tausend Jahre lang nicht zur Ruhe kommen ließ. Doch für mich handelt dieses Lied eigentlich von Königin Bothild.
Ich werde nie vergessen, wie sie uns ansah, als wir ihr den Kopf der Schlange brachten. In ihrem Blick lagen Jahrhunderte von Pflicht, Verlust und Einsamkeit. Sie hatte ihr Reich verloren, ihr Volk verloren und sogar ihr eigenes Leben verloren. Und dennoch hatte sie ihre Aufgabe nicht aufgegeben. Tausend Jahre lang.
Die Schlacht gegen die Weiße Schlange war gefährlich. Der Wanderer wurde in die Tiefe gerissen. Ulrik hielt das Monster mit bloßer Kraft auf. Leila sprang ohne Zögern in die schwarzen Fluten, als jeder andere den Kampf bereits verloren geglaubt hätte. Doch am Ende blieb mir etwas anderes in Erinnerung: der Augenblick, als Bothild zum ersten Mal lächelte.
Manche Siege bringen Ruhm. Manche bringen Reichtum. Dieser Sieg brachte einer Königin endlich Frieden.
Und manchmal ist das der größte Schatz von allen.
[INTRO]
Hört die Kunde aus den Bergen, aus der Zeit der alten Welt, von den Hallen tief im Felsen, wo kein Sonnenstrahl mehr fällt.
Von den Helden Valanors, deren Ruhm die Zeiten tragen, von der Königin Bothild, und den längst vergess’nen Tagen.
[STROPHE 1]
Durch die Tore alter Zwerge zogen sechs Gefährten ein: Freddy Freudenreich der Barde, Milo klein, doch nie allein.
Alfina, Herrin alter Runen, der Wanderer mit wachem Blick, Lichtkralle und Donnerklaue — und kein Feind hielt sie zurück.
[VOR-REFRAIN]
Tiefer ging es, Schritt für Schritt, fort vom Himmel, fort vom Licht.
[REFRAIN]
Weiße Schlange, alte Macht, Herrscherin der ew’gen Nacht. Weiße Schlange, tief im Stein, keiner sollte stärker sein.
Doch sechs Helden stiegen nieder, und erhoben sich als Sieger.
[STROPHE 2]
Schwarzes Wasser, tote Stollen, Geisterstimmen in der Nacht, blinde Fische in den Fluten, alte Schatten ohne Macht.
Fern erklang ein leises Gleiten, Tief im Wasser, kalt und schwer. Und die Helden wussten alle: Irgendetwas jagte hier.
[STROPHE 3]
Sie kamen in die Halle der Königin, Dort stand ihr Grab aus schwarzem Stein, Alfina rief die alten Mächte, ließ Bothilds Geist bei uns sein.
Sternenstahl auf ihren Schultern, Feuer glomm in ihrem Blick, tausend Jahre hielt sie Wache, ohne Frieden, ohne Glück.
[VOR-REFRAIN]
„Tötet erst den alten Fluch, dann erfüllt sich mein Gesuch.“
[REFRAIN]
Weiße Schlange, alte Macht, Herrscherin der ew’gen Nacht. Weiße Schlange, tief im Stein, keiner sollte stärker sein.
Doch sechs Helden stiegen nieder, und erhoben sich als Sieger.
[STROPHE 4]
Milo schmiedete den Köder, Haken, Kette, frisches Blut, und sie warteten am Wasser, fest entschlossen, voller Mut.
Doch die Bestie kam von hinten, lautlos wie ein böser Traum, weiße Schuppen, kalte Augen, Tod und Schrecken in dem Raum.
[STROPHE 5]
In die Fluten riss sie plötzlich den Wanderer hinab. Pfeile flogen, Blitze zuckten, doch die Bestie ließ nicht ab.
Donnerklaue hielt die Kette, brüllte gegen Sturm und Flut, und die Schlange spürte erstmals dieses Wolfes wilde Wut.
[Bridge]
Leila sprang ins schwarze Wasser, dorthin, wo die Schlange war. Riss die Krallenkappen von sich, machte ihre Krallen klar.
Dreimal schlug sie auf die Bestie, tief hinein ins Schuppenkleid. Und das Gift aus Felinestan drang ins Schlangenherz hinein.
[REFRAIN]
Weiße Schlange, alte Macht, Herrscherin der ew’gen Nacht. Weiße Schlange, tief im Stein, keiner sollte stärker sein.
Doch sechs Helden stiegen nieder, und erhoben sich als Sieger.
[STROPHE 6]
In der Halle der Königin legten sie den Schlangenkopf nieder. Lange musterte Bothild die Helden, und zum ersten Mal lächelte sie wieder.
Hinter ihrem Thron erwachten Runen aus vergang’ner Zeit. Stein auf Stein begann zu weichen, gaben das Vermächtnis frei.
[STROPHE 7]
Nicht aus Gold und nicht aus Silber, nicht für Könige gemacht. Aus den Tagen alter Drachen, stammte diese große Macht.
„Tausend Jahre hab ich gewartet, tausend Jahre hielt ich Wacht. Nun hab ich die Würdigen gefunden, nun ist meine Pflicht vollbracht.“
[AUSKLANG]
Leise schloss sich hinter ihnen das Tor der alten Welt, während Bothilds Geist entschwand, wo kein Schatten mehr sie hält.
[REFRAIN]
Weiße Schlange, alte Macht, Herrscherin der ew’gen Nacht. Weiße Schlange, tief im Stein, keiner sollte stärker sein.
Doch sechs Helden stiegen nieder, und kehrten heim als Sieger.