Narbenklinge

Narbenklinge

“Manche Schwerter gewinnen Ruhm durch ihre Siege. Narbenklinge gewann ihn durch ihre Niederlagen.” — Aus den Chroniken von Valanor

Narbenklinge ist ein schlichtes Langschwert aus dunklem Eisen, dessen Klinge von zahllosen Kerben, Kratzern und feinen Rissen überzogen ist. Verblasste Runen ziehen sich über den Stahl wie alte Wunden. Trotz ihres verwitterten Zustands hat die Klinge niemals ihren Dienst versagt. Jeder Makel erzählt von einer Schlacht, jeder Riss von einem Kampf gegen einen Feind, der stärker war als gewöhnliche Sterbliche.

Die Legende der Narbenklinge

Vor mehr als siebenhundert Jahren erhob sich im Norden Valanors ein Dämon namens Satrakar der Unsterbliche. Aus den Feuern der Leere geboren, verwüstete er Städte, verbrannte Königreiche und verschlang ganze Heere. Kein Schwert konnte seine Haut durchdringen, kein Zauber ihn dauerhaft bannen.

In ihrer Verzweiflung wandten sich die freien Völker an den Zwergenschmied Durgrim Eisenfeuer, den größten Waffenschmied seines Zeitalters.

Sieben Jahre lang arbeitete Durgrim in den tiefsten Schmieden der Grauen Berge. Er schmolz Sternenmetall, mischte es mit Silber aus heiligen Felsadern und hämmerte die Klinge unter uralten Runengesängen. Als das Werk vollendet war, gab er ihm keinen glanzvollen Namen.

Er nannte sie schlicht:

„Die Klinge, die Satrakar töten wird.“

Denn Durgrim war ein ausgesprochen praktischer Zwerg. Während Menschen ihre Schwerter mit Namen wie Drachenzorn, Königsfluch oder Ewiges Licht versahen, bevorzugte er Bezeichnungen, die keine Fragen offenließen. In seinen Augen war „Die Klinge, die Satrakar töten wird“ bereits ungewöhnlich poetisch.

Der Krieg gegen Satrakar

Narbenklinge wurde dem Ritter Arved von Falkenwacht übergeben, der den Widerstand gegen den Dämon anführte.

In der ersten Schlacht traf die Klinge Satrakar direkt ins Herz.

Der Dämon fiel.

Doch am nächsten Morgen erhob er sich erneut.

In der zweiten Schlacht schlug Arved ihm den linken Arm ab.

Drei Tage später war der Arm nachgewachsen.

Im dritten Jahr trennte Narbenklinge dem Dämon den Kopf vom Leib.

Der Körper stand wieder auf.

Die Legenden berichten von Dutzenden solcher Kämpfe.

Jedes Mal verletzte Narbenklinge den Dämon. Jedes Mal hinterließ sie neue Wunden. Und jedes Mal überlebte Satrakar.

Mit jedem Kampf erhielt jedoch auch die Klinge neue Kerben, neue Risse und neue Narben.

So entstand ihr Name.

Die Letzte Schlacht

Nach beinahe drei Jahrzehnten Krieg war Arved alt geworden. Sein Haar war grau, sein Körper von Wunden gezeichnet.

Als er dem Dämon zum letzten Mal gegenübertrat, wusste er, dass er ihn nicht töten konnte.

Doch er hatte etwas anderes erkannt.

Jede Wunde, die Narbenklinge dem Dämon zufügte, blieb bestehen.

Nicht sichtbar.

Nicht körperlich.

Aber in seiner Seele.

Über die Jahre hatten die Runen der Klinge die Essenz des Dämons geschwächt.

In der letzten Schlacht opferte Arved sein Leben und trieb Narbenklinge tief in das Herz seines Feindes. Statt Satrakar zu vernichten, banden die Runen ihn an die Welt zwischen Leben und Tod.

Der Dämon wurde nicht getötet.

Er wurde eingeschlossen.

Bis heute weiß niemand, wo sich sein Gefängnis befindet.

Die Magie der Klinge

Narbenklinge besitzt keine flammenden Runen und keine spektakulären Zauber.

Ihre Macht ist wesentlich subtiler.

Die Klinge kann Wesen verletzen, die eigentlich unverwundbar sind.

Dämonen, Geister, Untote und andere Kreaturen jenseits der natürlichen Welt können den Hieben der Narbenklinge nicht vollständig widerstehen.

Außerdem heißt es, dass jede überstandene Prüfung den Stahl stärkt. Je mehr Kämpfe die Klinge erlebt, desto widerstandsfähiger wird sie.

Deshalb ist sie trotz ihrer zahllosen Risse niemals zerbrochen.

Verbleib

Nach Arveds Tod verschwand Narbenklinge aus den Geschichtsbüchern.

Immer wieder tauchen Berichte über eine alte, vernarbte Klinge auf, die in den Händen verschiedener Helden erschienen sein soll. Doch keiner dieser Berichte konnte jemals bestätigt werden.

Einige Gelehrte glauben, dass die Klinge noch immer existiert und auf den Tag wartet, an dem Satrakar erneut erwacht.

Andere behaupten, sie sei längst verloren.

Doch in den Tavernen Valanors erzählt man sich eine andere Geschichte.

Man sagt, Narbenklinge könne nicht verloren gehen.

Denn solange das Böse Narben hinterlässt, wird auch Narbenklinge ihren Weg zurück in die Hände eines Helden finden.

Freddys Anmerkungen

Von allen Schwertern, deren Geschichten ich auf meinen Reisen gehört habe, beeindruckt mich Narbenklinge vielleicht am meisten. Nicht weil sie die mächtigste Klinge wäre. Nicht weil sie Drachen erschlug oder Königreiche eroberte.

Sondern weil ihre größte Tat darin bestand, niemals aufzugeben.

Jede Kerbe in ihrem Stahl erzählt von einem Kampf, der nicht gewonnen wurde. Und dennoch wurde weitergekämpft.

Vielleicht liegt darin die wahre Bedeutung ihres Namens.

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